Hereditäres Angioödem (HAE)
Das hereditäre Angioödem ist eine vererbte Neigung zur Ausbildung von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, welche durch das Undichtwerden von Blutgefässen entstehen und sich als Schwellungen äussern.
HAE ist eine seltene Blut-Krankheit. Bei HAE-Patienten wird entweder zu wenig oder ein ungenügend funktionsfähiger C1-Esterase-Inhibitor gebildet, was bei Betroffenen zu episodischen Schwellungen an den Gliedmassen, im Gesicht, Kehlkopf und Magen-Darm-Trakt führen kann. Diese Schwellungen können je nach Auftretensort lebensgefährlich sein.
Symptome
Die klassische Erscheinungsform des HAE sind Schwellungen in tieferen Schichten von Haut und Schleimhäuten, welche in Form akuter Schübe oder Attacken auftreten. Im Bereich der Haut treten Schwellungen vor allem an Armen und Beinen und im Gesicht- und Halsbereich auf, seltener an anderen Körperteilen. Die Schwellungen der Haut sind typischerweise blass, von harter Konsistenz, und werden nicht von Juckreiz begleitet (im Gegensatz etwa zum "allergischen" Angioödem).
Die Flüssigkeitsansammlung kann schmerzhafte Spannungen hervorrufen. Über 70% der Ödeme sind Schwellungen der Schleimhäute an inneren Organen, die sich in kolikartigen Krämpfen, Erbrechen und Durchfall äußern und zu Kreislaufbeschwerden führen. Diese gastro-intestinale Symptomatik wird nicht selten als Erkrankung der Bauchhöhle (akutes Abdomen) fehlgedeutet, was zu unnötigen und gefährlichen operativen Eingriffen führen kann.
Besonders gefährlich für die Betroffenen und verantwortlich für 30 bis 50% der Todesfälle sind akute Erstickungsanfälle aufgrund einer Schwellung im Kehlkopfbereich, die bereits durch zahnärztliche Eingriffe oder die Entfernung der Mandeln ausgelöst werden kann.
Vererbung
HAE kann sowohl durch Vererbung, als auch durch eine Neumutation erworben werden. Das hereditäre Angioödem wird häufig durch eine Veränderung eines Gens verursacht. Dies ist für die Bildung des Enzyms C1-Esterase-Inhibitor verantwortlich.
Diagnose
Weil HAE in der ärztlichen Praxis selten vorkommt, denkt der behandelnde Arzt bei den oben beschriebenen Symptomen oft nicht an HAE. Daher wird die Diagnose des HAE oft erst Jahre nach dem erstmaligen Auftreten von Symptomen und eventuell sogar nach unnötigen chirurgischen Eingriffen (z.B. wegen Bauchschmerzen) gestellt. Die typischen Beschwerden und das Auftreten von Schwellungen bei Familienmitgliedern sprechen aber für das Vorliegen eines HAE. Ein wesentlicher Hinweis ist auch eine fehlende Reaktion der Schwellungen auf die Gabe von antiallergisch wirkenden Medikamenten wie Kortison und Antihistaminika. Der Beweis für das Vorliegen eines HAE wird durch Blutuntersuchungen erbracht. Dabei werden die Konzentration und die Funktion des C1-Inhibitors untersucht. Die Diagnose HAE kann durch diese Blutuntersuchungen gewöhnlich auch während einer beschwerdenfreien Periode gestellt werden.
Therapie
HAE-Attacken gehen unter anderem mit einer erhöhten Ausschüttung von Bradykinin einher, bei dem es sich um den zentralen Mediator der HAE-Attacken handelt. Es dockt am Bradykinin B2 Rezeptor an und kann damit eine HAE-Attacke auslösen. Bei der Behandlung wird versucht, den Bradykinin B2 Rezeptor zu blockieren und damit die Entwicklung von HAE-Attacken zu unterbrechen.